Sitten & Gebräuche

Höhepunkte im arbeitsreichen Leben bildeten allerlei Feste und Feiern. Diese standen in enger Verbindung mit dem Kreislauf des Lebens (Geburt, Hochzeit, Beerdigung), des bäuerlichen Arbeitsjahres (Fastnacht, Erntefest, Kirmes, Schlachtfest) oder mit dem Kirchenjahr (Ostern, Pfingsten, Erntedank, Weihnachten). Hochzeiten waren nicht nur private Feierlichkeiten, sondern dienten auch der Repräsentation von Wohlstand und Besitz. Zur standesgemäßen Ausrichtung war ein längerfristiges Sparen der Brauteltern nötig. Am Vorabend der Hochzeit fand der Polterabend statt, zu dem man ungeladen altes Geschirr vor die Tür kippte. Je mehr die Brautleute wegzuräumen hatten, umso länger sollte das Glück währen. Mit dem Weihnachtsfest ging das Arbeitsjahr endgültig zu Ende. Lange herbeigesehnt von den Kindern war der Heilige Abend. Beschert wurde in der Großen Stube, die für das Weihnachtsfest extra beheizt und festlich geschmückt wurde. Den Christstollen schnitt man erst an diesem Abend an. Die zwischen Weihnachten und Hochneujahr (6. Januar) liegenden zwölf Nächte waren mit besonders magischen Vorstellungen verbunden. Absolut tabu waren Wäsche waschen, das Schneiden von Haaren, Fuß- und Fingernägeln. Auch im Arbeitsleben waren zahlreiche Sitten und Gebräuche fest verankert, so war es üblich, mit guten Kleidern und reiner Wäsche zur Ernte zu gehen, denn das Einholen der Garben war eine segensreiche Tätigkeit, die freudig ausgeführt wurde. Viele Bräuche stehen in Verbindung mit den ersten oder letzten Ähren, Garben oder Fudern. So band sich mancher Schnitter die ersten drei Ähren an den Gürtel, um einer Verwundung oder Kreuzschmerzen vorzubeugen. Es war auch üblich, durch verschiedene Handlungen und Gebräuche Mensch und Tier vor Unheil zu bewahren. So sollte ein schräg vor die Stalltür gestellter Reisigbesen bei der Ankunft von Fremden vor Seuchen schützen. Heiligabend gab es eine Extra-Futterration.
Das Volkskundemuseum lässt diese Sitten und Bräuche in seinen Veranstaltungen lebendig werden, so beim „Musikalischen Frühlingsfest" im Mai, bei „Musik und Tanz auf Hof und Heiste" zum Johannistag, beim Erntedankfest und beim Weihnachtsmarkt. Die Termine dafür finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.